Organ Flow Meditation

27. Juni 2012 -

Organ Flow Meditation ist eine in der Praxis entwickelte Atem- und Meditationsmethode, die nach dem Förderzyklus der fünf Wandlungsphasen, den Fluß der Lebensenergie zwischen den fünf inneren Organen bzw. deren Funktionen fördert. Die fünf Organe sind Lunge  –  Niere  –  Leber –  Herz  –  Milz.

Geschwächte oder gestörte Organe lassen sich durch diese Methode harmonisieren und oft auch deutlich stärken. In der Chinesischen Medizin wird den Funktionen der Organe eine herausragende Stellung eingeräumt. Die Funktionen der Organe werden von den Lebenskräften, die den Organen innewohnen, hervorgebracht. Die Organe werden als Speicher der Lebensenergie beschrieben und mit Kornkammern verglichen. Die Lebenskraft Qi reguliert nicht nur die Quantität der Lebensenergie sondern auch die Qualität der Funktionen. Ist die Lebensenergie eines Organs beispielsweise durch Stress geschwächt, wird die Funktion dieses Organs nur unvollständig oder mangelhaft sein.

Im Förderzyklus der Organe stärkt das vorangehende Organ das nächste Organ nach der
Mutter-Sohn-Regel wie die Mutter den Sohn nährt:

Lunge  –  Niere  –  Leber –  Herz  –  Milz-Pankreas

Metall  – Wasser  –  Holz  –  Feuer  –  Erde 

Dies ist die Reihenfolge der Organe bzw. der Elemente, den Wandlungsphasen im Förderzyklus. Bei der Organ Flow Meditation beginnt man den Zyklus mit der Lunge:

Tiefe Atemzügen gehen zunächst in die Lunge, in die schulternnahen, oberen Abschnitte.
Das Einatmen wird betont. Tiefen Atemzügen füllen dann die Lunge ganz aus.

In der zweiten Phase geht man immer tiefer in den Bauchraum und dann bis zur Beckenmitte. Später auch noch tiefer,  bis auch  der Beckenboden spürbar wird und auch die Verbindung zur Erde.

In der zweiten Phase atmet man so immer tiefer nach unten in den Bauchraum, zum „kleinen Becken“, zum Nierenraum der Chinesischen Medizin zum „Unteren Jiao“.
Der Beckenraum ist der Energieraum der Niere, ein Raum der Ruhe und Regeneration.

Lunge zur Niere ist ein ganz wesentlicher Abschnitt dieser Organ Flow Meditation. Bei diesem Abschnitt stärkt die Lunge die Niere. So wird bei beharrlichem Üben auch der Beckenraum präsenter, lebendiger und wärmer. Die Verbindung Lunge zur Niere ist bei Stress oft gestört. In der chinesischen Medizin sagt man: „die Niere kann die Lebensenergie der Lunge nicht empfangen“.

 

Atem geht in den Beckenraum
Lunge stärkt die Niere

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nierenenergie steigt zur Leber auf und geht weiter zum Herz


Im nächsten Schritt fließt die so aufgeladene Lebensenergie der Niere, das „Nieren-Yang“ ganz von selbst  von der Niere zur Leber also vom Beckenraum zum rechten Oberbauch. Eine kräftige Nierenenergie ist Voraussetzung für das freie Fließen der Leber-Energie.

Das freie und kraftvolle Fließen der „Leberenergie“ ermöglicht einen angemessenen Ausdruck der Gefühle sowie von kraftvolle Muskeltätigkeit. Die Leberenergie fließt dann weiter von der Leber zum Herz und stärkt die Ladung und Bewegung des Herzens die sich in zunehmender Freude zeigt. Das Herz ist auch der Sitz des „Shen“, des klaren Bewußtseins.

Das Herz-Qi fließt dann weiter zum Raum des Oberbauches und nährt den Magen und das Milz-Pankreas System.

Von hier fließt dann im letzten Schritt die nährende Energie vom Milz-Pankreas System zur Lunge und auch zu den anderen inneren Organen, die sie intensiv nährt. So schließt sich der Kreislauf des Förderzyklus der fünf Organe.

Die fünf Quellen unserer Vitalität 

Atmung, die erste Quelle unserer Lebenskräfte

Die Atmung ist die erste und wichtigste Quelle unserer Lebenskräfte. Wir atmen Lebensenergie ein. Wenn wir tief, entspannt Einatmen aktivieren wir unsere Lebensenergie.

Im Wort inspirieren, inspirare, einatmen, liegt die Bedeutung der Atmung als Zugang zu unserer Kreativität und Spiritualität – beleben, beseelen, inspiriert sein. Die bewusste Atmung ist als Brücke zwischen Seele und physischem Körper zu sehen und verbindet somit Geist und Körper miteinander.

Zunächst geht die Aufmerksamkeit für fünf bis zehn Minuten auf das tiefe, ruhige Einatmen. Durch wiederholtes tiefes Einatmen wird die Lebensenergie aufgeladen. 

Dann wendet man sich dem Ausatmen zu. Hier ist der Fokus der Aufmerksamkeit auf ein entspanntes, verlängertes, vollständiges Ausatmen gerichtet:
Langsam und tief ausatmen …   länger Ausatmen,  …  alles loslassen,  …   mit jedem Atemzug mehr loslassen.“ Diese fokussierte Ausatmung entspannt den Körper und bringt verbrauchte Energien und Spannungen aus dem Körper heraus. Gerade das entspannte und ruhige Ausatmen ist sehr hilfreich um die Spannungen zu lösen und so die Lebenskräfte zu harmonisieren. Verlängertes Ausatmen führt zu deutlicher Entspannung und fördert das Fließen der Lebensenergie im Körper. Gesundheit ist gekennzeichnet durch freies Fließen bzw. Pulsieren der Atem- und Lebensenergie in den Organen, den Meridianen und Energiezentren.

Eine eingeschränkte Atmung ist ein Anzeichen für Blockaden, für eingeschränktes Fließen der Lebensenergie. Mit achtsamer Unterstützung des Atemrhythmus kommt man mit Inhalt und Atmosphäre der Einengung in Verbindung. Durch die bewusste Atmung gelangt man dann in eine Ausweitung und belebt den Raum. So erlebt man sich in neuen Verbindungen: Emotionale, mentale und physische Energiestrukturen verändern sich und heilen.

Mit „Schwäche der Lungenenergie“ beschreibt die Chinesische Medizin Störungen, bei der die Stärke der Atemfunktion vermindert ist. Man atmet weniger tief ein und nimmt weniger Sauerstoff auf. Diese zeigt sich meist an einer leisen Stimme mit weniger Ausdruck d.h. auch an der mangelnden Kraft der Stimme, aber auch an Husten ohne Kraft. Dies führt zu einer allgemeinen Schwächung der Körperenergien.

Die Chinesische Medizin richtet ihre Aufmerksamkeit bei der Beschreibung der inneren Organe auf deren Funktion und weniger auf den anatomischen Bau der Organe. Die Lunge ist für die Einatmung und Ausatmung der Luft und für die Aufnahme des Sauerstoffs aus der Luft in das Blut verantwortlich. Auch die ungestörte Verteilung des Sauerstoffs und damit die gute Durchblutung im Körper ist eine wichtige Funktion der Lunge. Diese Funktionen sind meist abhängig von einer ruhigen, tiefen Atmung. Die Lunge ist ein Raum, in dem wir aus der Atemluft die Energie für das Leben in den Körper aufnehmen.

Die Pulsation der Atmung ist ausschlaggebend für eingeschränktes oder freies Fließen, für Kontraktion und Expansion, für den wellenartigen Rhythmus im Gewebe und den Energiefeldern. Atmung pulsiert in verschiedenen Rhythmen, zum Beispiel schnell, langsam, tief, flach. Die Atmung erfolgt in unterschiedliche Räume, in den Bauch– oder Brustraum. Hier ist die Entspannung bzw. Anspannung des Zwerchfells von entscheidender Bedeutung für die verbundene Atmung. Das Zwerchfell als Übergang von Brust- und Bauchraum, als Anbindung zu Organen, Gelenken und Muskeln, als Übergang vom Solarplexuschakra zum Herzchakra. Die Atmung ist mit der Herztätigkeit vergleichbar. So wie Arrythmien des Herzens mit verminderter Blutversorgung einhergehen, kann sich eine eingeschränkte Atmung in Schwäche, Hilflosigkeit, Angst oder Niedergeschlagenheit ausdrücken und Anzeichen für unterdrückte Gefühle oder zurückgehaltene Impulse sein. 

Basisenergie von den Nieren, die zweite Quelle unserer Lebenskräfte

Nach Vorstellungen der Chinesischen Medizin ist die Niere eine weitere wichtige Quelle unserer alltäglichen Energie. Die Nieren sind der Sitz unserer Grundenergie, des Yuan-Qi mit der wir beispielsweise jeden Morgen ausgeruht und aufgeladen aufwachen. 

Neben der Lebensenergie Qi kommt in der chinesischen Medizin dem Jing, der „Lebensessenz“, eine wichtige Rolle in der Beschreibung der Lebensvorgänge zu. Die Lebensessenz, wird als die materielle Basis des des Qi, des Erb-Qi betrachtet. Jing wird auch als „Feinstmaterie“ als „Samen des Lebens“ und als „Urkraft der Reproduktion“ bezeichnet. Das Jing ererben wir von den Eltern. Sie wird im Beckenraum, in der Niere gespeichert und an die Nachkommen weitergegeben.

Somit schließt das chinesische Nierensystem die Funktion der Reproduktionsorgane ein. Aus der Vereinigung des Eltern-Jing entsteht das Lebensessenz Jing, das die Entwicklung des Individuums und seine spezielle Konstitution bestimmt. Jing vermehrt sich nicht im Laufe des Lebens sondern nimmt in der Alterungsphase kontinuierlich ab.

Diese Lebensessenz Jing bestimmt unsere Konstitution, ob wir zartgliedrig sind, oder groß und breitschultrig. Die Nierenenergie erben wir von unseren Vorfahren, von unseren Eltern. Haben diese eine kräftige Konstitution erben wir viel Lebensenergie und haben einen kräftigen Körper.

Die Konstitution wird auch den fünf Qualitäten der Wandlungsphasen Feuer, Erde, Metall, Wasser und Holz zugeordnet. Die fünf Qualitäten der Äußerungen der Lebensenergie werden auch Elemente genannt und werden in einer getrennten Publikation genauer beschrieben.

Die wichtigste Qualität der Niere ist Ruhe, aus der die alltägliche Stärke kommt. Deshalb ist ruhiger, tiefer Schlaf lebensnotwendig und Langsamkeit im Alltag, eine Entschleunigung für viele Menschen notwendig. Dies fördert die Gesundheit. Meditation hilft, über das Ruhig- und Leerwerden des Bewusstseins die Regeneration unserer Körperenergien zu intensivieren. Lärm stört und schwächt die Nierenenergie. Über die „Erdung“ der Lebenskräfte durch tiefe Atmung in den Beckenraum hinein, werden Wege zur Nutzung dieser tiefen Quellen der ruhevollen Nierenenergie erschlossen.

Mit Nierenschwäche beschreibt die Chinesische Medizin Funktionsstörungen der Beckenorgane, die mit einer Vielzahl von Symptomen einhergehen: übermäßige Müdigkeit und Schwächegefühl mit leichter Erschöpfbarkeit und Antriebsmangel mit Ängstlichkeit, gedrückte Stimmungslage mit Rückzug von der Umgebung und leichter Depression. Auch blasse oder leicht gräuliche Hautfarbe sind bei Nierenschwäche zu finden. Kalte Füße, leichtes Frieren bzw. deutliche Kälteempfindlichkeit sind weitere häufige Symptome.

Achtsamkeit und Nach Innen gehen

Körperliche und emotionale Unbewußtheit macht krank, da aktuelle Bedürfnisse nicht wahrgenommen und so auch nicht erfüllt werden. Bei Überarbeitung zum Beispiel, ist die Aufmerksamkeit auf die rationale Pflichterfüllung fokussiert, andere körperliche oder emotionale Bedürfnisse werden nicht wahrgenommen. Dann geschieht es immer wieder, daß überarbeitete Menschen umfallen, in Japan sogar plötzlich sterben. Viele Menschen werden sich der Müdigkeit und schließlich der Erschöpfung nicht bewußt, oder ignorieren sie immer wieder mit dem auf die aktuellen Aufgaben fokussierten Willen.

Mißachtung und Mißbrauch des Körpers, der Gefühle, der psychischen Bedürfnisse rächt sich durch Krankheit. Krankheiten bringen oft die Menschen zurück in die Realität des „Hier und Jetzt“, in den Schmerz oder in ein schmerzhaftes Gefühl.

Wie erlangt man Bewußtheit ohne krank zu werden? Die chinesische Medizin kennt viele Methoden, angefangen von Qi Gong und Tai Ji Quan bis hin zur Akupunktur führen diese Therapiemethoden zu einem „nach Innen gehen“ zu einer Fokussierung des Bewußtseins auf die Gegenwart und auf den Raum des Körpers und seiner Gefühle.

Bei der Akupunkturtherapie zum Beispiel ist der Patient durch das Liegen der Nadeln für auf sich selbst gerichtet, empfindet seinen Körper bewußter und die Gefühle in ihm. Der Vorgang  des „nach Innen Gehens“ und dadurch bewußter werden sollte vom Patienten täglich mehrmals geübt werden. Dafür gibt es ein schrittweises Vorgehen, das man zunächst mit dem Patienten üben sollte, z.B. in Zusammenhang mit einer Akupunkturtherapie.

Der Patient wird aufgefordert, nach dem die Akupunkturnadeln gesetzt sind:

  1. die Augen zu schließen
  2. langsam innerlich zur Ruhe zu kommen
  3. ruhig zu atmen, betont tief in den Brustkorb hinein und langsam wieder ausatmen. Die Ausatmung ist langsamer als die Einatmung. Entspannung beim verlängerten Ausatmen ist von besonderer Bedeutung.
  4. Nach Innen, in den Körper zu gehen, den Körper fühlen – zunächst den gesamten Körper, dann nacheinander den Kopf, den Hals, den Brustkorb, den Bauchraum, das Becken und zuletzt den Schultergürtel mit den Armen sowie die Beine; jede Körperregion für jeweils 20-30 Sekunden.
  5. Wenn der Patient ruhiger und durch die bewußte Atmung und die Wahrnehmung der Empfindungen im Körper mehr zu sich selbst gekommen ist, wird er aufgefordert auch seine Gefühle mehr wahrzunehmen, sich ihrer bewußter zu werden.
  6. Im nächsten Schritt soll sich der Patient intensiv auf die Körperregion fokussieren, in der seine Störung oder seine Krankheit lokalisiert ist. Mit seiner gesamten Bewusstheit soll er in diese Region gehen, z.B. in den Schmerzbezirk des Kopfes, und diese intensiv wahrnehmen, die Größe, die Begrenzung, die Dichte oder sogar die Farbwahrnehmung in diesem Bezirk aber auch die Gefühle z.B. Traurigkeit, Wut oder Angst, die in dieser Region wahrzunehmen sind. Dies ist ein Vorgang der zunächst 5-10 Minuten beanspruchen sollte.
  7. Der Patient wird danach aufgefordert in diese Region hineinzuatmen.

Diese Schritte helfen die Aufmerksamkeit in den Körper zu fokussieren, ihn gegenwärtig intensiv wahrzunehmen. Im Gegensatz zur westlichen Medizin, die in der Regel versucht, z.B. einen Schmerz mit Analgetika auszuschalten, geht es hier um die Bewußtwerdung der Störung und deren Ursache. Bewusstheit hat eine ausgeprägte Heilwirkung. Das „nach Innen gehen“, das sich besinnen auf das „Hier und Jetzt“ des Körpers und dessen Gefühle, läßt den Menschen seine aktuellen Befindlichkeiten und Bedürfnisse, z.B. Spannungen, Müdigkeit oder Schlafbedürfnis, besser wahrnehmen und ausleben. So erlernt man instinktiv was entspannend und harmonisierend wirkt und was Spannungen und Unwohlsein erzeugt. Dies wird bereits im Frühstadium einer Verspannung erkannt, und nicht erst wenn die Verspannungen in Schmerzen übergegangen sind und das gesamte Bewußtsein in Beschlag nehmen.

Die Förderung der Gesundheit in Patientenseminaren ist eine weitere wirksame Möglichkeit die heilenden Potentiale der Chinesischen Medizin zu nutzen und trotz der aktuellen Medizin-Krise hilfreich zu sein.

Die Organ Flow Meditation ist eine sehr wirksame Methode die fünf Quellen der Lebensenergie zu aktiviert und somit die fünf inneren Organen zu stärken. Seit drei Jahr bieten wir wöchentlich im Düsseldorfer Akupunktur Centrum Kurse für Patienten an mit dem Thema: Quellen ihrer Lebenskräfte stärken.

Weitere Informationen und Literatur:

  • Energie Diagnostik und Therapie, Hoppe G  Stux G (2008) Kursskript, Eigenverlag
    Deutsche Akupunktur Gesellschaft 
  • Akupunktur Einführung  Stux G (2007) 7. Auflage Springer-Verlag. 
  • Akupunktur Lehrbuch und Atlas, Stux G, Stiller N, Pomeranz B (2007)
    7. Auflage Springer-Verlag
  • Akupunktur: Grundlagen – Techniken – Anwendungsgebiete, Stux G (1996) S
    Beck’sche Reihe Wissen, Verlag C.H. Beck München

Dr. med. Gabriel Stux  Akupunktur Centrum Düsseldorf
Inselstraße 34,  40479 Düsseldorf
Tel 0211-36 53 83 Fax 0211-36 06 57

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